Hexenjagd in 3D

STEREOTEC unterstützte die Paramount-Produktion »Hänsel & Gretel: Hexenjäger« mit neuester 3D-Technologie und war für die  3D-Umsetzung verantwortlich.

Es ist nur scheinbar eine alte Geschichte, die von Regisseur Tommy Wirkola (»Dead Snow«) erzählt wird. Denn der Film »Hänsel & Gretel: Hexenjäger«, der ab 28. Februar 2013 in den deutschen Kinos zu sehen ist und bereits auf Platz 1 der US-Kinocharts rangierte, erzählt eine Geschichte 15 Jahre nach dem bekannten Vorfall im Pfefferkuchenhaus. First time in 3D: Jeremy Renner and Gemma Arterton as »Hansel & Gretel«Die Mischung aus Horror, Comedy und Action wurde von Will Ferrell, Adam McKay, Kevin Messick und Chris Henchy von Gary Sanchez Productions zusammen mit Paramount Pictures produziert und schickt das Geschwisterpaar Hänsel (Jeremy Renner, oscarnominiert für »Tödliches Kommando – The Hurt Locker«, »Mission: Impossible – Phantom Protokoll«) und Gretel (Gemma Arterton, »Kampf der Titanen«, »James Bond 007 – Ein Quantum Trost«) auf einen Rachefeldzug gegen die Hexenwelt. Ebenfalls neu ist, dass die beiden Hauptdarsteller zum ersten Mal in 3D zu sehen sind – technisch durchgeführt von der Firma STEREOTEC aus dem Münchner Umland. Gedreht wurde das Hollywood-Projekt von März bis Juni 2011, überwiegend im Studio Babelsberg, Potsdam.

Ursprünglich war geplant, den Film in 2D zu drehen und anschließend zu konvertieren. »Der Zeitplan war extrem eng gesteckt: Unser Hauptdarsteller Jeremy Renner hatte gerade »Mission Impossible« abgedreht und sollte direkt danach für »The Avengers« zur Verfügung stehen. Da blieben gerade einmal wenige Wochen, um alle Szenen mit ihm zu drehen«, erinnert sich STEREOTEC-Geschäftsführer und Lead Stereographer Florian Maier. Da man davon ausging, dass ein 3D-Dreh sehr viel mehr Zeit benötigt als ein 2D-Dreh, entschied man sich, zunächst lediglich die finale Action-Sequenz in echtem 3D aufzunehmen, da diese schwer zu konvertieren gewesen wäre. Durch eine Empfehlung von ARRI wurde die Produktion auf STEREOTEC aufmerksam. »Wir wurden zu einem Testdreh nach Berlin eingeladen. Überraschenderweise stand dort plötzlich auch ein Mitbewerber aus den USA«, erzählt Florian Maier. Nach einem halben Tag Testdreh mit STEREOTEC und einem halben Tag mit dem Mitbewerber entschied man sich für STEREOTEC. »Die Produktion war sehr angetan von unserem schnellen Workflow und der Qualität der 3D-Aufnahmen«. Auch gefiel DoP Michael Bonvillain die Stereographie in dem kurz zuvor ebenfalls von STEREOTEC gedrehten Spielfilm »Wickie auf großer Fahrt«.

Während des Drehs erkannte man, dass das nativ in 3D aufgenommene Material nicht nur bezüglich der 3D-Qualität besser war als eine Konvertierung von 2D nach 3D, sondern dass es auch keine Geschwindigkeitseinbußen gab: »Ursprünglich sollten nur drei Szenen in Stereo gedreht und der Rest konvertiert werden. Shoot in BraunschweigAls wir festgestellt haben, wie schnell wir umbauen konnten, habe ich darauf gedrängt, so viel wie möglich in echtem 3D zu drehen – und der fertige Film wird es zu ungefähr 50 Prozent sein.« berichtet DoP Michael Bonvillain (»Cloverfield«, »Zombieland«). Das ging natürlich nicht ohne Unterstützung der Produzenten. »Ich muss betonen, dass die Produzenten absolut hinter mir standen, als sie gemerkt haben, dass wir alle Einstellungen, die wir haben wollten, drehen konnten und trotzdem den Zeitplan einhalten würden«, fügt Bonvillain hinzu.

Möglich wurde dies durch den effizienten Workflow mit den verwendeten STEREOTEC Rigs und durch das eingespielte Team. »Das kostbarste am Filmset ist Zeit. Speziell wenn man mit Hollywood-Schauspielern dreht«, sagt Florian Maier. Diese Erkenntnis war für ihn der Auslöser, ein Rigsystem zu entwickeln, mit dessen Hilfe man nicht nur exakt arbeiten konnte, sondern auch extrem schnell. »Die Rigs sind gut designed und stabil, was uns ermöglicht hat, sehr schnell Optiken zu wechseln und zu kalibrieren«, erklärt DOP Michael Bonvillain. So dauert der Austausch einer Optik und das nachfolgende Kalibrieren nur wenige Minuten. Lange Umbauzeiten, die in der Vergangenheit allzu oft für Vorbehalte gegen 3D gesorgt haben, gab es hier nicht. »Im Durchschnitt hatten wir pro Tag etwa 25 Einstellungen«, meint Florian Maier.

Gedreht wurde im CinemaScope-Format 1:2,40 mit 24 Bildern/s auf ARRI Alexa Kameras. Es war eine der ersten Produktionen, die mit ARRI RAW gedreht wurde. Das Bildsignal wurde dabei auf Codex Recorder aufgezeichnet. Die Wahl der Brennweiten fiel zunächst auf die Lightweight Zooms von Zeiss (LWZ.2 15,5-45 mm T2.6) und Angenieux (Optimo 28-76 mm T2.6). Nach den ersten Screenings entschied sich DoP Michael Bonvillain dann aber, ARRI / Zeiss Master Primes T1.3 zu benutzen. Dabei kamen Brennweiten von 16 mm bis 50 mm zum Einsatz. Als Rigs wurden zwei STEREOTEC Mid Size Rigs genutzt, die auf Dolly oder Kran (Technocrane 30 und 50) montiert waren. Als Remoteheads kamen hauptsächlich der Chapman G-3-Gyrokopf und der Mega Mount III zum Einsatz.

»Der Kran verhalf uns natürlich auch zu einen nicht zu unterschätzenden Geschwindigkeitsvorteil«, sagt Florian Maier. Doch auch die Stabilität der Rigs war wichtig. »Es gab Szenen, in denen wir mit dem Rig von einer extrem untersichtigen Einstellung auf einen Topshot wechseln mussten – beispielsweise als eine der Hexen gegen eine Felswand flog und vom Besen auf den Boden stürzte«. Durch die stabile, aber dennoch leichte Kohlefaser-Konstruktion der Rigs konnte die Kalibrierung beibehalten und pixelgenaues Material abgeliefert werden. Mit anderen Rigs wären die beiden Kameras bei diesen extremen Kamerabewegungen auseinandergelaufen und hätten aufwändig korrigiert werden müssen. Die komplette Motorisierung sorgt zudem dafür, dass Eingriffe am Set auf ein notweniges Minimum reduziert werden.